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Corona-Update von Bürgermeister Jürgen Markwardt (23. Februar 2021)

 

Hallo,

das Corona-Update vom 23. Februar 2021.

Ich möchte erstens über die aktuelle Lage sprechen und anschließend meine persönliche Einschätzung zu den aktuellen Virus-Infektionen geben. Warum vielleicht manche Maßnahmen nicht so schnell gehen, wie wir uns das alle wünschen.

Wir haben zurzeit im Landkreis Uelzen 193 Infektionen, davon 57 in der Hansestadt.  Das macht einen Inzidenzwert von zurzeit 80. Merken Sie sich diesen Wert, der hat nachher noch kurz Bedeutung. Mittlerweile sind auch 78 Personen an oder im Zusammenhang mit Corona verstorben. An alle mein herzliches Beileid. Zu den Maßnahmen gibt es nichts Neues. Sie wissen alle, was wir aktuell für eine Situation haben. Tatsächlich warten wir alle gespannt auf die Konferenz der Ministerpräsidenten mit der Kanzlerin, die nächste Woche Mittwoch stattfindet. Dann werden wir sicher erfahren, wie es mit den Maßnahmen weitergeht. Mittlerweile wissen Sie alle Ab dem 1. März. sind die Friseure offen. Interessanterweise macht Bayern gerade einen Vorstoß, dass weitere körpernahe Dienstleistungen wohl geöffnet werden. Warten wir mal ab, ob sich das bundesweit durchsetzt. Für Niedersachsen haben wir diese Informationen zurzeit jedenfalls noch nicht.

Damit komme ich zur Einschätzung. Auch hier möchte ich gleich vorwegsagen: Ich werde jetzt einige durchaus besorgniserregende Informationen geben, aber auch einige sehr mutmachende. Ich betone, ich bin weder Arzt noch Virologe. Aber die Informationen, die ich Ihnen jetzt gebe, haben Sie vielleicht in diesem Zusammenhang so noch nicht gehört. Letztlich möchte ich Ihnen die Chance geben, selbst einzuschätzen, wie es in den nächsten Wochen und Monaten weitergehen könnte. Meine Informationen habe ich aus den allgemein öffentlich-zugänglichen Quellen und nicht auf irgendwelchen einschlägigen Internetseiten nachgeschaut.

Als erstes müssen wir über die sogenannten Mutationen sprechen. Sie wissen alle, B117 ist mittlerweile ein feststehender Begriff für eine Virusmutation, die in Deutschland Einzug hält. Noch vor 2 Wochen hatten wir 6% Fälle mit dieser Mutation. Aktuell haben wir über 22%. Und ich bin mir sicher, in den letzten 3 Tagen, seitdem diese Zahl bekanntgegeben wurde, sind diese 22% auch schon nicht mehr aktuell: Aktuell geht man von einer Verdoppelung pro Woche aus. Was macht B117, die englische Variante, jetzt so problematisch? Es ist nicht die Gefährlichkeit, jedenfalls gibt es darauf noch keine speziellen Hinweise, wobei auch dort mittlerweile schon eine Diskussion entbrannt ist.

Es geht aber um die Ansteckungsgefahr dieser Variante. Sie müssen sich vorstellen, die normale Variante, mit der wir bisher zu tun hatten, die hat eine Reproduktionszahl, also der R-Wert, von dem wir immer gesprochen haben, von 0,8 bis 0,9 nach sich gezogen. Was heißt das? Diese Zahl sagt nichts Anderes aus, als dass es die Anzahl der Menschen ist, an die ein Virusträger, also jemand der erkrankt ist, seine Krankheit weitergibt im Zeitraum seiner Erkrankung. Das heißt, jemand hat Corona, hat 2 Wochen lang Corona und ist ansteckend und gibt es in dieser Zeit an 0,8 bis 0,9 Personen weiter. Sie hören es auch, weniger als 1 – das heißt grundsätzlich führte die alte Variante dazu, dass es eigentlich immer rückläufig sein müsste. Ganz grundsätzlich, natürlich hat man auch da steigende Zahlen. Die B117-Variante hat einen R-Wert der um 0,4 bis 0,7 erhöht ist. Das bedeutet also: Ein Infizierter gibt die Infektion weiter im Verlauf seiner Krankheit an 1,2 bis 1,7 Personen. Das hört sich im ersten Moment gar nicht besonders dramatisch an, aber Fakt ist, eingerechnet des Kaskaden-Effektes, ist es dann doch schon sehr stark. Denn 3 Personen geben jetzt die Infektion an 5 weiter. Diese 5 geben sie weiter an 8, diese 8 geben sie weiter an 12 bis 13 und so weiter. Sie können sich vorstellen, dass dadurch die sinkenden Inzidenzzahlen, die wir aktuell sehen, relativ schnell auch wieder der Vergangenheit angehören könnten.

Es gibt durchaus viele namhafte Virologen und Wissenschaftler, die davon ausgehen, dass wenn erst einmal nahezu 100% aller Menschen in Deutschland, die erkrankt sind, dieses Virus in sich tragen, also B117, dass wir Mitte, Ende März möglicherweise schon wieder einen Inzidenzwert von über 300 haben könnten. Was das für Auswirkungen auf uns alle hat, das muss ich Ihnen nicht sagen. Und das bei gleichbleibenden Maßnahmen. Also nicht bei Wiedereröffnung der Läden oder Schulen, sondern bei den jetzigen Maßnahmen. Das ist sicherlich ein Wert, der uns Sorgen macht und über den man nachdenken muss. Dann kann man auch verstehen, warum zurzeit die Länderchefs und die Bundeskanzlerin ob dieser Tatsache sehr vorsichtig diskutieren. Denn ein zu frühes Öffnen könnte dazu führen, dass die Zahlen zu schnell wieder steigen. Keine Angst, ich werde versuchen, das gleich ein wenig ins rechte Licht zu rücken.

Dazu das Thema Impfung. Und jetzt möchte ich mich nur auf das Land Niedersachsen beziehen. Sie wissen, wir sind etwa 8 Millionen Niedersachsen. Derzeit haben wir Spitzenwerte von 18.000 Impfungen pro Tag. Das ist eine gewaltige Zahl, das hört sich doch schon mal gut an. Zurzeit haben 300.000 Niedersachsen ihr Erstimpfung erhalten, 150.000 davon schon die zweite Impfung. Noch 7,7 Millionen Niedersachsen müssen geimpft werden. Wenn wir jetzt so weitermachen würden mit 18.000 Impfungen am Tag, sind wir in 428 Tagen am Ende. Dann hätten wir alle 8 Millionen Niedersachsen geimpft. Ich weiß, 100% Impfquote werden wir sowieso nicht erreichen, aber rechnerisch hätten wir noch 428 Tage oder knapp über 14 Monate vor uns, bis wir durch wären. Und ich glaube, das wollen wir alle nicht. Auch hier sehen wir, die Impfquote, also natürlich muss auch der Impfstoff vorhanden sein, muss deutlich steigen. Und zwar, wenn wir alle bis zum Ende des 3. Quartals ein Impfangebot haben wollen, müssten wir mindestens auf eine Impfquote kommen von 45.000 Impfungen pro Tag. Da haben wir noch was vor uns, ich glaube aber, das können wir erreichen. Organisieren können wir Deutschen ja nun wirklich gut. Das liegt an uns, dass wir das umsetzen, aber wir müssen dort stärker werden. Aktuell fehlt uns der Impfstoff, sobald der vorhanden ist, müssen wir allerdings auch alle Möglichkeiten nutzen. Das bedeutet, nicht nur die Impfzentren, sondern gerade auch die Fach- und Allgemeinmediziner müssen uns dann helfen. Dann könnten wir es schaffen, diese Quote zu erreichen. Dann wäre es möglich, noch bis zum 3. Quartal jedem ein erstes Impfangebot zu geben. Das heißt für die erste Impfung, nicht für die zweite.

Was stimmt mich aber sehr zuversichtlich? Ich glaube, die beste Nachricht haben wir jetzt gerade in den letzten 3 Tagen gehört. Es gibt erste Studien, die belegen, dass der Impfstoff BionTech, also auch der, der als erstes auf dem Markt war, wahrscheinlich mit einem großen Prozentsatz dazu führt, dass jemand, der geimpft ist, das Virus auch nicht mehr weitergibt – obwohl er es auch noch in sich tragen kann. Das würde also bedeuten, derjenige der geimpft ist, ist nicht nur für sich geschützt, sondern gibt das Virus auch nicht an jemand anderen weiter. Das wäre die Top-Nachricht der Woche, denn das würde bedeuten: Alle schnell zum Impfen und wir würden jede Ansteckungskette in diesem Moment unterbinden. Eine Top-Nachricht, wir wollen hoffen, dass sich das bewahrheitet. Israel hat darüber informiert. Wir hoffen, dass sich das auch für die anderen Impfstoffe herausstellt.

Eine weitere sehr gute Nachricht: In Großbritannien ist man einen mutigen Weg gegangen und hat zunächst alle Menschen einer Erstimpfung unterzogen und den Zeitraum zwischen erster und zweiter Impfung gestreckt. Sie wissen, bei BionTech, ich bleibe bei diesem Impfstoff, muss man nach 28 Tagen zur zweiten Impfung. Die Engländer gehen jetzt davon aus: Wir versuchen es mal erst 12 Wochen danach und offensichtlich könnte das funktionieren. Das wäre insofern ein riesengroßer Fortschritt, weil wir dann mehr Menschen zunächst einer Erstimpfung unterziehen könnten. Das würde uns am Ende Wochen und Monate bringen, die wir schneller durch wären mit den Menschen, die geimpft sind. Sicherlich müssen bei BionTech auch weiter die zweiten Impfungen erfolgen, aber wir könnten sie in einem gewissen Abstand durchführen. Das wäre gut – wir müssten nur unsere bundesweite Impfstrategie daran anpassen und ich bin sehr gespannt auf die Diskussion in den nächsten Wochen, ob das auch insgesamt so umgesetzt wird.

Eine letzte und sehr gute Nachricht: Es wird jetzt wohl auch demnächst den ersten Impfstoff geben von Johnson & Johnson, der nur noch einmal verimpft werden muss. Das hat natürlich Vorteile, einmal impfen und fertig. Das heißt hier müssen wir gar nicht auf die zweite Impfung warten, denn eine Impfung reicht. Allerdings wird die Wirksamkeit dieses Impfstoffes, bevor er zugelassen wurde, aktuell bei 66% gewertet. Das heißt er hat eine 2/3-Wirksamkeit. BionTech hat 95%. Aber hier möchte ich natürlich die Wissenschaft und die Zulassung abwarten, vielleicht verändern sich diese Zahlen.

Zusammenfassend möchte ich sagen, wir müssen mit dem Impfen schneller werden Wir müssen genau schauen, was die Mutationen machen und wir müssen daran abmessen, wie wir unsere Maßnahmen zu treffen haben. Deshalb kann ich verstehen, dass die Entscheidungsträger mit Bedacht und Vorsicht vorgehen. Ein zu frühes Öffnen würde dazu führen, dass man danach umso stärker wieder eingreifen muss. Letztlich hat uns dieses Wochenende auch gezeigt, dass wir alle wirklich nur noch darauf warten, endlich wieder rausgehen zu können. Es liegt an uns, denn das Thema Abstand, das Thema Maske und das Thema Schutz des Nachbarn wird immer weiter und immer größere Priorität haben, denn wir können es uns nicht erlauben die Geschäfte noch länger geschlossen zu halten. Die Geschäfte müssen jetzt auch bald mal wieder öffnen. Dann müssen wir aber dafür sorgen, durch unsere Maßnahmen, dass wir uns dort nicht gegenseitig anstecken, sondern dass wir mit größtmöglicher Vorsicht für uns selbst aber auch für den Anderen mit dieser Situation umgehen.

Ich hoffe, ich habe Sie nicht mit zu vielen Zahlen verwirrt. Ich glaube aber es ist wichtig, dass Sie auch diese Umstände einmal erfahren und wenn Sie es nicht von einem Virologen erfahren, dann einfach nur von mir. Aber ich verspreche Ihnen, ich habe mir die Zahlen nicht ausgedacht.

Und letztlich scheinen die Impfauswirkungen offensichtlich nicht so schlimm zu sein, wie zunächst angenommen, auch bei Astrazeneca nicht. Ich kann dazu aber nichts sagen, denn ich wurde noch nicht geimpft. Ich warte in aller Ruhe ab, bis ich meinen Termin in ein paar Monaten habe. Wenn Sie allerdings die Chance haben, gehen Sie bitte zum Impfen. Ich glaube, es ist wichtig.

Bis dahin, bitte bleiben Sie gesund.

Ihr Jürgen Markwardt