Aus dem Archiv

Aus dem Archiv: Haus der Jugend im Jahr 1956

Einweihung des „Hauses der Jugend“ am 8. August 1956


In der zweiten Hälfte der 1950er Jahre begann eine allgemeine Phase der wirtschaftlichen Erholung der jungen Bundesrepublik, die es auch der Stadt Uelzen ermöglichte, ein umfangreiches Bauvorhaben für die junge Bevölkerung in Angriff zu nehmen. So konnte Bürgermeister Dr. Heinz Lücke am 8. August 1956 im Beisein vieler Vertreter aus Politik, Kultur und Verwaltung, u.a. dem damaligen Oberkreisdirektor Dr. Reinhardt Berger und dem Vorsitzenden des Kreissportbundes Dr. 
Friedrich Langenheim, nach nur zehnmonatiger Planungs- und Bauzeit das „Haus der Jugend“ in der Nähe des Ilmenauufers einweihen. Nur kurze Zeit später, am 23. August, folgte das Richtfest zum Bau des Lessing-Gymnasiums, damals noch Oberschule für Mädchen.

Haus der Jugend - Postkartenbild
Das neue „Haus der Jugend“ sollte mehrere Funktionen ausüben. Es sollte allgemein als Freizeitstätte für Jugendliche dienen als auch wandernden Jugendlichen während der Ferienzeit eine Unterkunft bieten können. Vor allem aber war das Haus von nun ab Sitz der Bezirkssportschule. Die Sportbünde hatten sich durch die finanzielle Beteiligung am Bau ein Nutzungsrecht erworben. Dem Zweck des Hauses entsprechend gab es im Erdgeschoss einen großen Gemeinschaftsraum, der gleichzeitig als Speisesaal diente, eine Küche und weitere Zweckräume. Im ersten Stock waren Gemeinschaftsräume und eine Bibliothek untergebracht, und im zweiten Stockwerk befanden sich Schlafräume. Während der Einweihungsfeier wurde dem zukünftigen Heimleiter und Sportlehrer August Dittmer der Hausschlüssel übergeben. Die Gäste brachten auch Geschenke für die neue Einrichtung mit. Die Präsente sollten offensichtlich eine nützliche und sinnvolle Bereicherung für die Arbeit mit 
Jugendlichen sein. Sie sind daher ein kleiner Hinweis auf den Zeitgeist dieser Jahre. So übergab der Landesschatzmeister des Landessportbundes ein Fernseh- und Radiogerät, während der Bezirksjugendpfleger einen Gong aus Messing überreichte. Eine Turnhalle, die am Standort noch fehlte, konnte im folgenden Jahr gebaut werden. Damit konnten hier Leistungslehrgänge durchgeführt werden, und Uelzen hatte eine zentrale Ausbildungsstätte für künftige Übungsleiter. 


Das „Haus der Jugend“ musste 1988 aus Kostengründen geschlossen werden. Das Gebäude wurde in späteren Jahren u.a. für die Unterbringung von Aussiedlern genutzt, und der örtliche private Radiosender „Radio Zusa“ war hier einige Jahre Mieter. Im Jahr 2023 wurde das Gebäude abgerissen. 

Quellen und Literatur: 
Uel 211 (Haushalt und Finanzen) Acc. 2017/16 Nr. 83. 
Allgemeine Zeitung der Lüneburger Heide vom 09.08.1956. 
Egge, Reimer: „Wenn aber manches noch der Verbesserung bedarf…“. Uelzen von 1956 bis 1972, Uelzen 2003, S. 58–59. 
Kreissportbund Uelzen e. V. (Hrsg.): 50 Jahre Kreissportbund Uelzen e. V., Eine Chronik des Uelzener Sports 1945–1995, S. 48–50. 
Foto: Postkarte „Haus der Jugend“, ca. 1965, UEL S 802 Nr. 478.