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Grabung in Oldenstadt weist spezialisiertes Schuhmacherhandwerk im 12. Jahrhundert nach

Seltene Funde aus Oldenstadt geben neue Einblicke in das mittelalterliche Alt-Uelzen. Lederreste, Holzbefunde und Keramik belegen eine Schuhmacherwerkstatt aus dem 12. Jahrhundert und frühe Kontakte weit über die Region hinaus.
Foto (Hansestadt Uelzen): Stadtarchäologe Dr. Mathias Hensch bei den Ausgrabungen auf dem Gelände der Kita Oldenstadt.

10.07.2026

Lederfunde und Keramik geben neue Einblicke in das frühe Alt-Uelzen

Bei baubegleitenden Ausgrabungen auf dem Gelände der Kindertagesstätte im Uelzener Ortsteil Oldenstadt hat die Stadtarchäologie Uelzen seltene Funde aus dem mittelalterlichen Alt-Uelzen freigelegt. Lederreste, Holzbefunde und Werkstattspuren zeigen: Dort wurde im Hochmittelalter feines Schuhwerk hergestellt.

Das untersuchte Areal liegt nahe der Wipperau. Es gehörte zum östlichen Rand der frühstädtischen Siedlung Alt-Uelzen und lag innerhalb ihrer Befestigung. Die Fachleute fanden Keramik, Metallobjekte, Tierknochen, Holz und Leder sowie viele Spuren einer dichten Holzbebauung. Die ältesten Funde reichen bis in das 8. und 9. Jahrhundert zurück.

Von besonderer Bedeutung sind die Lederfunde. Sie sprechen für ein hoch spezialisiertes Schuhmacherhandwerk. Schuhe aus Ziegenleder galten im Hochmittelalter als hochwertige Ware und waren vor allem wohlhabenden Schichten vorbehalten. Die Funde werden derzeit am Niedersächsischen Institut für historische Küstenforschung in Wilhelmshaven konserviert und untersucht. Auch die Holzbefunde liefern wichtige Hinweise. Anhand der Jahresringe konnten Holzpfosten eines Werkstattgebäudes auf Herbst/Winter 1132/1133 datiert werden. Damit lässt sich das Schuhmacherhandwerk in Oldenstadt zeitlich genau einordnen.

„Die Grabung ist für uns besonders faszinierend, weil hier archäologische Funde und schriftliche Überlieferung zusammenkommen“, sagt Stadt- und Kreisarchäologe Dr. Mathias Hensch. Schriftliche Quellen nennen Schuhmacher aus Alt-Uelzen bereits im 12. und frühen 13. Jahrhundert. Als Bürger, also „freie Schuhmacher“, hatten sie eine besondere Stellung. Jedes Jahr am Palmsonntag überreichten sie dem Bischof von Verden zwei Paar Schuhe. Diese Abgabe hatte symbolische Bedeutung. Sie zeigte, dass die Schuhmacher die Herrschaft des Bischofs anerkannten. Solche Nachweise sind sonst vor allem aus Bischofsstädten bekannt.

Auch die Keramikfunde sind bedeutend. Neben sogenannter Pingsdorfer Ware aus dem Rheinland fanden die Fachleute frühe glasierte Keramik des 12. Jahrhunderts aus dem Raum Andenne, einer Stadt im heutigen Belgien. Solche Gefäße waren selten und hochwertig. Auch diese Funde sprechen dafür, dass Alt-Uelzen bereits früh Kontakte weit über die Region hinaus hatte.

„Alt-Uelzen war im Früh- und Hochmittelalter Teil größerer wirtschaftlicher und politischer Zusammenhänge“, so Hensch. „Handwerk, Handel und die Lage an Wipperau und Ilmenau mit Anschluss an Fernwege machten die Siedlung offenbar schon früh bedeutsam.“