Aus dem Archiv

Uelzen nach dem „Mauerfall“ im November 1989 - Erinnerungen an das Begrüßungsgeld

Am 9. November 1989 gab die Führung der DDR eine Pressekonferenz zur neuen Reiseverordnung, die die deutsch-deutsche Grenzöffnung zur Folge hatte. Die Grenzstadt Uelzen hatte innerhalb kürzester Zeit einen wahren Besucherstrom von Bürgern der DDR zu bewältigen. Bereits am 10. November kamen viele Besucher aus der angrenzenden Region der DDR, um die unerwartete Reisefreiheit zu erproben und sich das Begrüßungsgeld in Höhe von 100 DM aus dem Sozialamt
abzuholen.

Das Begrüßungsgeld wurde seit 1970 jedem aus der DDR einreisenden Bürger, sowie deutschstämmigen Polen, gezahlt. Es wurde aus Bundesmitteln finanziert, betrug zunächst 30 DM und konnte zweimal jährlich gewährt werden. 1987 wurde von der Bundesregierung die Anhebung des Betrages auf 100 DM beschlossen, der dann aber nur noch einmal pro Jahr beansprucht werden konnte.

Flyer zum Begrüßungsgeld im November 1989

Nach dem Mauerfall und dem entsprechenden Besucheraufkommen kam es zu erheblichen logistischen Problemen. Das Uelzener Sozialamt war in keinerlei Hinsicht auf diese Menschenmengen eingestellt. Der damalige Leiter des Sozialamtes, Manfred Jarchow, erinnerte sich später, dass im Amt das Geld für die Auszahlung des Begrüßungsgeldes nicht ausreichte und auf die Schnelle auch nicht beschafft werden konnte. Daher hätten einige Kolleginnen privat finanziell ausgeholfen, um die
Warteschlangen nicht noch länger werden lassen zu müssen. Am darauffolgenden Wochenende blieb das Amt aufgrund des großen Besucherandranges geöffnet. Es wurde ein Einsatzplan für die Mitarbeiter entworfen, die freiwillig am Wochenende Dienst taten. Die Stadtverwaltung gab kurze Zeit später für die Besucher aus der DDR einen Flyer mit den wichtigsten Hinweisen, z.B. zum Empfang des Begrüßungsgeldes, Übernachtungsmöglichkeiten und einem Stadtplan zur Orientierung,
heraus. Die Uelzener Einwohner stellten sich schnell und hilfsbereit auf den Besuch ein. So versorgten Wohlfahrtsverbände und die freiwillige Feuerwehr die Gäste unaufgefordert mit warmen Getränken. Ende November normalisierte sich die Situation wieder und der Besucherstrom ebbte langsam ab.

Quellen:  
Stadtarchiv Uelzen, VD 198/90, Informationsblatt für DDR-Gäste 1989,
Reimer Egge: Stadtentwicklung und Lebensqualität. Uelzen 1973-2000, Uelzen 2008, 
Reimer Egge: Der Umgang mit der deutschen Einheit und Demokratie. Uelzen seit der Wiedervereinigung 1990-2010, Uelzen 2011 S. 8-17.