frauenORT

Im Rahmen der Initiative "frauenORTE Niedersachsen" wird im September 2021 für die Uelzener Kauffrau Henriette Praesent ein frauenORT eröffnet.

Die Initiative wurde vom Landesfrauenrat Niedersachsen e.V. ins Leben gerufen, um das Wirken starker und engagierter, historischer Frauenpersönlichkeiten zu würdigen. Hinweistafeln informieren an den Wirkungsstätten über das Leben der Frauen. Zu dem Projekt gibt es auch eine Wanderausstellung, die im Frühjahr bereits im Hundertwasser-Bahnhof Station machte.

 

Portrait der Uelzener Kauffrau Henriette Praesent

Foto (Museum Schloss Holdenstedt): Auguste Henriette Praesent (1782-1856)

 

Auguste Henriette wurde am 2. April 1782 als einziges Kind der Kaufmannsfamilie Dorothee und Johann Gottlieb Bütemeister in Gandersheim geboren. Sie heiratete am 6. Januar 1803 in Burgdorf den 28-jährigen Kaufmann Johann Christian Praesent und zog zu ihm nach Uelzen.

Christian Praesent handelte mit landwirtschaftlichen Produkten aus der Umgebung, vor allem mit Flachs, aber auch mit Schafwolle, Honig, Wachs, Getreide und Futtermitteln. Er führte außerdem als Mitglied der Kramer-Innung Waren wie Gewürze, Tabak, Kaffee, Zucker und Zichorien (auch: Wegwarte; wird seit dem Mittelalter als Heilpflanze genutzt; Kulturformen sind z.B. Chicorée, Zuckerhut, Radicchio oder Wurzelzichorie (als Kaffee-Ersatz)).

An der erfolgreichen Entwicklung des Unternehmens hatte Henriette Praesent einen erheblichen Anteil. Kauffrauen waren damals einer doppelten Belastung ausgesetzt, denn sie waren sowohl für die gesamte Hauswirtschaft als auch für den unmittelbaren Geschäftsbetrieb zuständig.

Das Ehepaar Praesent bekam zwischen 1803 und 1820 neun Kinder. Vier Kinder verstarben leider schon im Säuglings- oder Kleinkindalter.

 

Wohn- und Geschäftshaus Praesent an der Gudesstraße 1 um 1890Bereits 1811 hatten die Praesents zwei Häuser am Markt erworben. Das Geschäfts- und Wohnhaus wurde 1826 beim großen Stadtbrand vernichtet. An dieser Stelle, der Gudesstraße Nr. 1, wurde dann das große, neue Geschäftshaus errichtet, das in all den Jahren des Bestehens als Hauptgeschäftsstelle diente. Im Geschäftshaus befand sich auch ein Manufakturladen, der von Henriette Praesent persönlich geleitet wurde.

Christian Praesent 1827 mit 52 Jahren starb, übernahm Henriette Eingang des Geschäftshauses Praesent an der Gudesstraße 1 im Jahr 1949als alleinige Inhaberin die Geschäftsleitung. Diese Zeit war von wesentlichen Veränderungen in wirtschaftlichen Bereichen gekennzeichnet, die Henriette Praesent geschickt für den weiteren Aufbau der Firma nutzte. So konnte sie den Manufakturwarenhandel aufgrund der zunehmenden Bedeutung des Flachsanbaus in der Region Uelzen deutlich erweitern. In den fast 30 Jahren als alleinige Chefin erweiterte Henriette Praesent kontinuierlich den Umfang und die Bedeutung des Geschäfts. 1855 wurde das Unternehmen sogar für die Qualität seiner Garne und Leinen auf der Industrieausstellung in München ausgezeichnet.

Geschäftshaus Praesent an der Gudesstraße 1 um 1980Henriette starb nach langer Krankheit am 30. März 1856, kurz vor Vollendung ihres 74. Lebensjahres. Ihr Andenken lebte im Namen des Unternehmens weiter, denn am 6. Januar 1865 wurde es unter „Joh. Chrst. Praesent Wwe“ in das Handelsregister eingetragen. Der Betrieb entwickelte sich zu einem der größten Landhandelsunternehmen in der Region der Lüneburger Heide und bestand noch bis 1991.