Gedenken an die Pogromnacht: Musik von Viktor Ullmann im Ratssaal



Foto (Hansestadt Uelzen): Pfadfinderinnen und Pfadfinder begleiten das Gedenken an die Pogromnacht am Mahnmal vor dem Uelzener Rathaus. Aufnahme von 2025.
Kranzniederlegung am Mahnmal
Die Hansestadt Uelzen lädt am Montag, 9. November, zu einer Gedenkveranstaltung anlässlich der Pogromnacht von 1938 ein. Um 17.30 Uhr werden Bürgermeister Jürgen Markwardt und Pröpstin Wiebke Vielhauer am Mahnmal vor dem Rathaus einen Kranz niederlegen. Die Mahnwache wird von den Pfadfinderinnen und Pfadfindern des Stammes St. Hubertus gestaltet. Im Anschluss beginnt um 18 Uhr im Rathaus ein Konzertabend mit dem Schauspieler und Sprecher Michael Dangl und der Pianistin Cordula Hacke. Im Mittelpunkt stehen Werke des Komponisten Viktor Ullmann (1898–1944).
Ullmanns Biografie und Werk zeigen eindrücklich, wie die nationalsozialistische Verfolgung die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Künstlern jüdischer Herkunft zerstörte, zugleich aber auch, mit welcher Konsequenz Ullmann seine Arbeit unter den extremen Bedingungen der Entrechtung und Verfolgung fortführte. Der Komponist wurde 1944 in Auschwitz ermordet. Teile seines musikalischen Werkes entstanden im Ghetto Theresienstadt und haben dennoch die Zeit überdauert.
Zu hören sind Auszüge aus Ullmanns 7. Klaviersonate sowie „Der Cornet“, ein Melodram nach Rainer Maria Rilkes „Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke“. In dem Werk verbinden sich gesprochener Text und Klaviermusik zu einer eindringlichen Einheit.
Michael Dangl, langjährig mit dem Theater in der Josefstadt in Wien verbunden, ist als Schauspieler, Sprecher und Rezitator bekannt. Seine besondere Stärke liegt im lebendigen Umgang mit Sprache. Die Pianistin Cordula Hacke, Professorin für Kammermusik und Collaborative Piano an der University of Agder in Kristiansand, ist international als Konzertpianistin und Kammermusikpartnerin tätig. Das Konzert der beiden macht damit nicht nur die Musik eines bedeutenden Komponisten hörbar, sondern eröffnet zugleich einen Raum für Erinnerung und Auseinandersetzung. Es erinnert an Menschen, deren Leben und Schaffen durch die nationalsozialistische Verfolgung ausgelöscht oder zerstört wurden – und an die Verantwortung, ihre Geschichten und ihre Werke lebendig zu halten.
Der Eintritt zur rund einstündigen Veranstaltung ist frei.