Sagen und Geschichten
Uelzen hat viele Gesichter – und so manche Geschichte. Ob ein kluger Bauer, ein geheimnisvolles Schiff, das älteste Armenessen der Welt oder ein Krieg, der erst nach 569 Jahren endete: Diese Erzählungen öffnen spannende Fenster in die Vergangenheit.



Die Geschichte dieses Handels kennt in Uelzen jedes Kind: Eines Morgens kam ein Bauer mit einem Sack auf dem Rücken in die Stadt. Ein Kaufmann fragte ihn, was darin zappelte. Der Bauer antwortete „Barftgaans“ (Barfußgeher), was der Händler jedoch als Barkhahns (Birkhähne) verstand und einen guten Preis dafür zahlte. Tatsächlich waren jedoch drei Eulen in dem Sack, die, zuhause angekommen und aus dem Sack gelassen, die Wohnung des Kaufmannes verwüsteten.
Dieser verklagte den Bauern, jedoch ohne Erfolg. Der junge Mann gab an, eindeutig „Barftgaans“ verkauft zu haben, und niemand könne abstreiten, dass Eulen barfuß gingen. Der Richter sprach den Bauern frei, und die Uelzener nannte man seither „Uhlenköper“ (Eulenkäufer).
Heute erinnert eine Statue auf dem Kirchplatz von St. Marien an diesen Schwank. Wer an der Münze reibt und mit Kleingeld in der Hosentasche klimpert, soll stets genug Geld haben.



Das Goldene Schiff ist eines der markantesten Wahrzeichen der Hansestadt Uelzen und gibt bis heute Rätsel auf. War es einst ein Reliquiar, also ein kunstvoller Behälter für heilige Gegenstände? Ein Symbol des Handels? Oder wirklich ein Geschenk der englischen Königin Elisabeth I.? Einer Legende zufolge brachte ein Uelzener Kaufmann das kostbare Stück im 16. Jahrhundert aus London mit, als Gabe der Königin, bei der er in hoher Gunst gestanden habe.
Seit dem frühen 15. Jahrhundert ist das Schiff im Besitz der St.-Marien-Kirche. Es hing zunächst im Chorraum, später in der Apostelkapelle. Heute kann es in einer Wandnische am Eingang der Kirche bewundert werden.
Gefertigt aus vergoldetem Kupferblech und besetzt mit Halbedelsteinen, ist das Goldene Schiff ein kunstvoll gearbeiteter Tafelaufsatz. Die Form erinnert an einen sogenannten Holk, ein mittelalterliches Frachtschiff, wie es im westeuropäischen Raum verbreitet war. Auf der Mastspitze trägt es ein filigranes Marktkreuz.
Eine detailgetreue Nachbildung ist im Rathaus der Hansestadt zu sehen. Auch das Stadtlogo wurde vom Goldenen Schiff inspiriert.



1427 erklärte die Hansestadt Uelzen dem dänischen König Erik von Pommern (Foto) den Krieg. Anlass war der sogenannte Heringskrieg: ein Konflikt zwischen der Hanse und Dänemark, ausgelöst durch Handelsbeschränkungen und neue Zölle beim Heringsfang in Schonen.
Uelzen war bei der entscheidenden Versammlung der Hanse zwar nicht vertreten, erklärte sich aber solidarisch. Einen militärischen Beitrag leistete die Stadt nicht, die geforderten zwei Bewaffneten wurden nie entsandt. Auch beim Friedensschluss 1435 fehlte Uelzen, und so blieb der Kriegszustand formal bestehen.
Erst 1996, 569 Jahre später, wurde Frieden geschlossen: Die Schützengilde Uelzen nahm das Königsessen am 1. Juni zum Anlass, die alte Kriegserklärung symbolisch zu beenden. Gemeinsam mit dänischen Gästen wurde ein Friedensdokument unterzeichnet. Uelzen war damit offiziell nicht mehr im Krieg mit Dänemark, ein spätes Ende für einen Krieg, der kaum begonnen hatte.



Das Uelzische Armenessen gilt als älteste karitative Armenspeisung der Welt. Es geht zurück auf das Jahr 1397: Im Zuge des Satekriegs wurde Uelzen 1396 militärisch besetzt, ein Jahr später kehrte der Frieden zurück. Aus Dankbarkeit stiftete der Stadtrat einen Gottesdienst mit Chor und Orgel und ein Festessen für die Bedürftigsten. Serviert wurde ein gebratener Schafsbock mit Brot für alle, bis jeder satt war.
Über Jahrhunderte organisierte der Rat der Stadt das Armenessen. Seit 1996 führt der Verein Historisches Uelzen das Armenessen fort, mit einem jährlichen Gottesdienst und einem Festakt. Die gesammelten Spenden kommen bis heute den Bedürftigsten in der Stadt zugute. Essen wird verteilt, einsame Menschen erfahren Gemeinschaft, vor allem aber wird der Tagestreff für Obdachlose unterstützt: Er kann dank dieser Mittel an 365 Tagen im Jahr geöffnet bleiben.